Rühmkorf(f)scher Osterspaziergang 2017

Vom Zielen und vom Zittern

Das Leiden denkt, es würde ewig währen.

Im Gegensatz zu unserer lieben Lust –

Die ist sich ihrer Endlichkeit bewußt

und andererseits geneigt,

sich mit Bedenken zu beschweren.

So scheint die Welt kein Nervenruhekissen.

Z.B. wo du in Verfolgung eines Zieles

– sagen wir, einer bang begehrten Braut –

bereits im Anflug ahnst, sie würde dir entrissen:

Sie wird! Zu Recht. Und so entgeht dir vieles,

weil aus verzagten Friedhofsaugen angeschaut,

ist die Partie meist schon im vorhinein verschmissen.

 

Selbst das Gedicht, das sich zu skrupelvoll bedenkt,

führt auf die Stufe zu,

wo sich dem Vers der Fuß verrenkt.

 

Peter Rühmkorf

in: “Paradiesvogelschiß.” Reinbek bei Hamburg (Rowohlt) 2008, S.110

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