DoktorandInnen

Aktuell betreute und abgeschlossene Promotionsvorhaben

Xenia Boe: “Kuriose Geschichten aus aller Welt in deutschen Nachrichtenmedien: Zusammenhänge zwischen Thema, Handlung und Narrativität” xenia.boe AT uni-hamburg.de In meinem Dissertationsprojekt untersuche ich, welche Themen und Handlungen Geschichten erzählenswert machen, wie Thema und Handlung dabei miteinander korrelieren und das Sensationspotential einer Geschichte generieren und inwiefern sich dieses Sensationspotential schließlich auf die narrative Präsentation der Geschichte auswirkt. Für meine Arbeit habe ich Erzählungen aus deutschen Nachrichtenmedien ausgewählt, die zur kurzweiligen Unterhaltung eines breiten Lesepublikums konzipiert werden und deshalb stärker als literarisch ambitionierte Texte im deutschen Kulturraum gültige Erzählkonventionen widerspiegeln. Hinsichtlich der Handlungsorte gehen die Geschichten allerdings weit über unseren Kulturraum hinaus – nicht zuletzt möchte ich auch herausfinden, ob und inwiefern sich die Geschichten mit deutschem Handlungsort von denen mit einem ausländischen Handlungsort hinsichtlich Thema, Handlung und Erzählweise unterscheiden. Miteinander gemein haben alle Geschichten in meinem Korpus, dass sie in Rubriken publiziert wurden, die sich dem Kuriosen widmen. Publikationsunabhängig scheinen Kuriosa überwiegend nach den gleichen, vermutlich sogar universellen Prinzipien zu funktionieren. Das kommt nicht nur meinem Forschungsinteresse an Universalien des Erzählens entgegen – es hat auch den angenehmen Nebeneffekt, dass mir bei der Arbeit an meiner Dissertation das Lachen nicht so schnell vergeht.

(Xenias Promotion wurde magna cum laude abgeschlossen am 22.06.2017  – herzlichen Glückwunsch!)

Dr. Evelyn Gius : “Erzählen über Konflikte” evelyn.gius AT uni-hamburg.de In meinem Promotionsprojekt habe ich mit narratologischen Mitteln Erzählungen über (reale) Arbeitskonflikte untersucht. Ausgangspunkt war die Hypothese, dass man von der Art des Erzählens über einen Konflikt – also von Phänomenen auf der discours-Ebene der Erzählung – auf bestimmte Eigenschaften des Konflikts evelyn_giusschließen kann, ohne dabei den eigentlichen Inhalt des Erzählten zu betrachten. Diese Hypothese habe ich am Beispiel von Transkripten narrativer Interviews überprüft, die ich mit Menschen geführt habe, die zum Zeitpunkt des Interviews einen Arbeitskonflikt hatten. Mit meinem Vorhaben wollte ich erstens einen Beitrag zur Anwendbarkeit klassischer narratologischer Konzepte leisten, indem ich ihre Operationalisierbarkeit im Rahmen einer computergestützten Analyse überprüfte.9783110422405 Außerdem kann aus den Analyseergebnissen eine Systematik entwickelt werden, die für die Bearbeitung von Konflikten genutzt werden kann. (Evelyns Promotion wurde magna cum laude abgeschlossen am 31.01.2014 –  herzlichen Glückwunsch! Ihre Dissertation wurde 2015 in der Reihe Narratologia bei De Gruyter publiziert.) Mareike Höckendorff MA:  “Literarisches Erzählen im Web” mareike AT hoeckendorff.com In meinem Promotionsprojekt untersuche ich Erzählformen in Weblogs, die von belletristischen Autoren geführt werden. Mich interessiert, ob diese Autoren in ihren Blogs anders schreiben als in ihren Büchern, ob sie Musik, Videos, Bilder oder die Möglichkeit, mit Lesern direkt zu kommunizieren in ihre Texte einbinden und wie diese Mediennutzung sich auf ihre Erzählweise auswirkt. Die Frage danach, welche narrativen Strategien traditionellen literarischen Erzählens in Weblogs genutzt werden und welche neuen Erzählkonventionen als einzigartig für Literatur im Blog als multimediales Medium ausgemacht werden können, spezifiziert die Frage, ob das Internet die Traditionen literarischen Erzählens von Grund auf verändern kann oder dieses lediglich modifiziert. Ich nähere mich diesem Thema durch einen Vergleich von gedruckten Werken und Blogs der Autoren, die ich unter klassischen narratologischen Gesichtspunkten wie Erzählstimme, Erzählzeit und Modus untersuche. Den Forschungsprozess beschreibe ich auf dem Blog http://blogliterature.net. Jan Horstmann: „Theaternarratologie. Ein erzähltheoretisches Analyseverfahren für Theaterinszenierungen“  jan_horstmann AT gmx.de In meiner Dissertation geht es vor allem um eine transmediale Anwendung narratologischer Kategorien auf das Theater. Dabei möchte ich die Inszenierung auf der Bühne in den Mittelpunkt der Analyse stellen und nicht lediglich eine transgenerische Dramennarratologie verfolgen. Ich bin der Meinung, dass Theater ein hoch narratives Medium ist und dass eine große Forschungslücke darin besteht, selbiges unter erzähltheoretischen Gesichtspunkten zu analysieren. Hierfür möchte ich mit meiner Dissertation ein Verfahren entwickeln, das auf Aspekte wie die Kommunikationsstruktur im Theater, die verschiedenen narrativen Instanzen, Zeitlichkeit, Räumlichkeit und Perspektivierung bzw. Fokalisierung eingeht und danach fragt, wie sich Performativität auf den Akt der Narration auswirkt. Ich erhoffe mir, mit dieser Arbeit einen erkenntnistheoretisch relevanten Beitragszuwachs zu leisten – sowohl für theaterwissenschaftlich fundierte Inszenierungsanalysemodelle als auch für die Diskussion um die angewandten narratologischen Konzepte. Ferner glaube ich, mit der Etablierung des Theaters als narratologisches Untersuchungsfeld vielen anderen Disziplinen innerhalb der Narratologie Forschungsmöglichkeiten zu eröffnen, die die Thesen dieser Disziplinen unterstreichen oder auch vor neue Herausforderungen stellen können. Es geht mir also sowohl darum, die Vergleichbarkeit unterschiedlicher erzählender Medien herauszustellen, als auch theaterspezifische Formen des Erzählens herauszuarbeiten. Die Produktivität des entworfenen Modells möchte ich schließlich beispielhaft in der Analyse einiger von mir ausgewählter Inszenierungen vorführen, welche ein möglichst breites Spektrum narrativer Phänomene des Theaters abdecken.  (Jans Promotion wurde summa cum laude abgeschlossen am 18.5.2017 – herzlichen Glückwunsch!) Janina Jacke M.A.: „Unzuverlässiges Erzählen. Zu den Tücken einer narratologischen Kategorie“ janina.jacke AT uni-hamburg.de Mein Forschungsinteresse gilt der narratologischen Analysekategorie des unzuverlässigen Erzählens, die sich in der literaturwissenschaftlichen Forschung der letzten Jahre zunehmender Beliebtheit erfreut, zugleich aber uneinheitlich und inflationär gebraucht wird. Mein Ziel ist es, eine Definition der Kategorie zu entwickeln, die (1) notwendige und hinreichende Bedingungen für das Vorliegen erzählerischer Unzuverlässigkeit liefert und zudem möglichst (2) mit der strukturalistisch orientierten Narratologie kompatibel, (3) terminologisch und konzeptuell einleuchtend und (4) heuristisch nützlich ist. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es notwendig, sich mit literaturwissenschaftlichen Grundproblemen wie der Unterscheidung von Analyse und Interpretation sowie den philosophischen Diskursen um Satzbedeutung und Wahrheit in fiktionalen Texten auseinanderzusetzen. Sollte eine interpretationsneutrale Definition erzählerischer Unzuverlässigkeit gelingen, kann zudem eine Nutzbarmachung der Kategorie für die computergestützte Textanalyse in Angriff genommen werden. Dr. Frederike Lagoni: „Fiktional / faktual. Ein historisch-narratologischer Vergleich literarischer Erzählformen“ f.lagoni AT web.de Während sich faktuales literarisches Erzählen auf Entitäten der Wirklichkeit bezieht und Wahres behauptet, eröffnet sein fiktionales Pendant dem Leser eine fiktive Welt, die keinen unmittelbaren Bezug zur Wirklichkeit aufweist. Dementsprechend wohnen den beiden Erzählformen verschiedene epistemologische Möglichkeiten inne, kann der Erzähler einer faktualen Erzählung doch nur das behaupten, was für ihn überhaupt erfahrbar ist, während der Erzähler einer fiktionalen Erzählung nicht an diese Restriktion gebunden ist. Eklatant wird dies in Bezug auf die Darstellung fremden Bewusstseins in der Heterodiegese. An diesem anzunehmenden Unterschied setzt mein Dissertationsvorhaben an und fragt, ob bzw. wie sich fiktionale und narratologia-lagonifaktuale literarische Erzählungen im Hinblick auf deren jeweilige Darstellungen fremden Bewusstseins in der erzählerischen Praxis tatsächlich unterscheiden. Hierzu analysiere ich ein diachron angelegtes Korpus fiktional-literarischer und faktual-biographischer heterodiegetischer Erzählungen und stelle die so eruierten Ergebnisse dem literaturwissenschaftlichen Diskurs zu diesem Themenkomplex gegenüber. Neben einem Beitrag zur diachronen Narratologie im Allgemeinen und zum sog. ‚Signposts of Fictionality‘-Diskurs im Besonderen strebe ich mit dieser Arbeit eine Öffnung der Narratologie hin zu mehr Empirie an. (Frederikes Promotion wurde magna cum laude abgeschlossen am 30.01.2015 –  herzlichen Glückwunsch!) Dr. Lena Modrow:  „Die Narrativität kontemporärer deutscher und englischer Songtexte“ lena.schuech AT gmail.com Das Thema meiner Dissertation lautet “Die Narrativität kontemporärer deutscher und englischer Songtexte”. Im Zentrum des Vorhabens steht eine transgenerische Anwendung erzähltheoretischer Narrativitätskonzepte in Kombination mit einem computergestützten Analyseverfahren. Dabei wird ein narratologisch definiertes Konzept von Narrativität im Rahmen einer Analyse von Rock-, Pop- und Folk-Songtexten angewendet. Mit dem Transfer der Theorie wird anhand eines Liedtextkorpus untersucht, wie narrativ, also erzählend, kontemporäre Songtexte sind und welche Formen an narrativen Strukturen sich in ihnen finden lassen. Die Interpretation und Systematisierung der unterschiedlichen „Narrativitätstypen“ wird mit Hilfe einer computergestützten Analyse des ausgewählten Textkorpus modrow-langdurch das Programm CATMA/CLÉA vorgenommen werden, bei der eine manuelle Auszeichnung („Tagging“) von narratologischen und z.T. musikalisch-diskursiver Kategorien verwendet wird, mit der grundsätzliche Strukturmuster und Relationen erkannt werden können. – Ich bin ausserdem Mitorganisatorin des Erzähltheoretischen Kolloqiums (http://www.icn.uni-hamburg.de/de/etk), das sich immer über Zuwachs freut! (Lenas Promotion wurde summa cum laude abgeschlossen am 02.06.2015 –  herzlichen Glückwunsch!) Vera Schmitz: „Edwin Erich Dwinger: Die deutsche Passion. Der ‚Kampf um die Deutungshoheit´ über den 1. Weltkrieg in der Kriegsliteratur der späten Weimarer Republik.“ vera_schmitz at hotmail.com Edwin Erich Dwinger (1898-1981), ein Zeitgenosse Ernst Jüngers, publizierte im Zeitraum vom 1929-1932 mit „Die deutsche Passion“ einen der erfolgreichsten Texte der Kriegsliteratur. In meinem Promotionsprojekt untersuche ich, mit welchen erzählerischen Mitteln und aufgrund welcher Themenwahl dies dem Text gelang. Indikatoren für diesen Erfolg sind die Auflagenzahlen, die Übersetzungen, die Umarbeitungen des Stoffes sowie die vielfältigen Rezensionen. Ich gehe davon aus, dass der Erfolg von „Die deutsche Passion“ auf zwei Besonderheiten des Textes zurückzuführen ist. Er zeichnet sich durch geschickt eingesetzte Erzählstrategien aus. Diese untersuche ich mit narratologischen Methoden (Gérard Genette).Die zweite Besonderheit ist die Behandlung neuartiger thematischer Komplexe, wie der Auseinandersetzung mit dem Bolschewismus oder dem Entwurf einer Zukunftsperspektive für Deutschland. Zusätzlich hat der neuartige Umgang mit bereits bekannten Themen zum Erfolg beigetragen. Dies untersuche ich mit literatursoziologischen Methoden (Pierre Bourdieu). Mit meinem Vorhaben möchte ich erklären, wie erzählerische Strategien zur Durchsetzung eines Textes in einem bestimmten literarischen Feld führen und wie, eingebettet in ein Geschehen, weltanschauliche Positionen über erzählerische Strategien transportiert werden. (Veras Promotion wurde im Juli 2016 erfolgreich abgeschlossen – herzlichen Glückwunsch!)