Es mangelt, Mundschenk, dem Gefäß
das du mir reichst erkenntlich Geist -
in deiner Schenke blakt das Licht
erschöpfter Zukunftstrunkenheit.
Und also macht sich Zweifel breit
ob unbeschadet dieser Leere
ein Restdunst Hoffnung darin noch
beim letzten Schluck zu hoffen wäre...
Ach Freund, beschwern wir diese hehren Tage
doch nicht mit jener abgedroschnen Frage
nach einem Endzweck unsrer Existenz:
Der Schlegel saust, die Spreu zerstiebt
und was da dann im Offnen liegt –
wer weiß? Ein Korn vielleicht, man könnte
es pflanzen, sich ein Brot draus backen
Hölderlin lesen, einen Wein einpacken
das Rettende erwartend eine Ode rezitieren
Sentenzen memorieren; Scardanelli
helfen beim Blattaufschlagen im Pirelli -
Nun denn. Nichts, und mag es auch allzu sein
vermag uns jetzt noch zu empören
(es sei denn: Dummheit, Niedertracht,
Idiotie, Geilheit nach Macht,
etcetera). Kurzum: in diesem abgelaufnen Jahr
hatten privatim Spaß wir, hatten Schwein -
die Götter ließen Gnade walten? OK, fein.
Wiewohl in jenen höher‘n Sphären
bekanntlich nicht gewollt wird, nur gewürfelt:
Wohl dem, dem darauf noch ein Reim
einfällt... – Pronto, du Jünger des Hafis
das Dasein sei uns weiterhin
zwecklos zwar, aber doch Bedürfnis;
entbehrt es auch des Sinns
entbergen dennoch wir mit Lust
auf diesem Divan unser Coeur der Brust.
Jetzt noch ein Glas? Komm, schenke ein!
(dem Weggenossen Rolf K. zum 31.1.)