vita contemplativa

  • descend into tenderness

    Welcome, dear friend,
    back to the lowland
    where we harvest joy and till our grief
    where elation is paired with bitter remembrance
    that comes without respite and grants no relief.

    We are destined under the harsh sun
    of aporia to dwell; certitude
    is bound to evade us for nude
    of it we were born, and so shall depart
    while the art that we live is the practice to be
    contentedly contradictory:
    Sturdy body down here, yet one of that kind

    Who comes from the highland
    naked soul, tender mind.

    (For my friend Grahame on his return from Traverse 2 of the “Rim of Africa”-hike, 7 October 2026. I completed this traverse in 2023 on this very day – a day of elation for my fellow hikers and me; a day of horror for humankind as we would later learn. And thus a day to be remembered with a heavy and a light heart since.)

  • im halmenheer

    Die Taufänger stehen im Felde
    geduldig gereckt ihr Spalier
    du schreitest; auf Blattes Schneide
    rinnt eine Traumspur, hinter dir
    eine Furche die sammelt, was bleibt:

    Glitzernder Wegzoll
    Lebenszeit.

    amongst an army of stalks

    The dew catchers are in the field
    their trellis patiently stretched
    you walk past; on leaf's edge
    trickles the trace of a dream, and astern
    a furrow, collecting the find:

    Glittering toll
    lifetime.
     

  • preis der künste

    Jetzt wird gehobelt!
    Jetzt fallen Späne!
    Jetzt ziehen wir das Rauhe glatt!


    Und dieser Künste Preis?

    Ein Gegenüber gibt’s zu schauen
    formlos und unbenannt;
    im Marmor seiner Gegenwart
    birgt es die mögliche Gestalt
    und ist kein Spiegel: ist ein Jetzt, unteilbar, unbehauen.

    Dank WordPress werde ich mir selbst historisch-kritisch und stelle fest: die obige Fassung ist Resultat der dreißigsten (!) Revision des Gedichtes; die erste (handschriftliche) Fassung habe ich am 30.07.2026 in mein Tagebuch geschrieben. Unverändert geblieben sind seitdem die ersten drei (kursivierten) Zeilen und der Titel; ebenso die Idee, das impulsive “Kunsthandwerken” kritisch in den Blick zu fassen. Läuft die künstlerische Weltbegegnung nicht imer wieder darauf hinaus, sich die Welt als Spiegel zuzurichten? Wieviel an der Aisthesis ist genuine Neuentdeckung, wieviel dagegen nur Wiederentdeckung oder Thematisierung unseres Selbst?

  • and suddenly it all made sense

    Das Morgenglück im Laken gefunden 
    da schlüpft es aus der Falte:
    kleinfingergroße Eidechse!

    Dein junges Lachen grüßt sie, und den Tag
    ja, springen wir ins Sonnenbad –
    lass uns auf glattem Fels die Wärme suchen

    Da streifen wir die spröde Nachthaut ab
    daß wir olivgrünflink geschmeidig werden
    wie‘s Totemtier unserer Träume.


  • fulcrum

    das tiefe licht
    am angelpunkt des dunkels -
    du fasst den strahl der wintersonne und entdeckst
    ein anlassloses glück

  • zum schnittpunkt

    Vom lendenzarten Du umfangen
    lag ich, und in der Beuge meines Arms
    ruhte Dein Haupt:
    Zwei Fäden, eng in- und umeinander
    gesponnen sahen wir den Himmel
    vor Sternen nicht.

    Jetzt steht er über uns geläutert, weit und licht
    zwei Himmelskörper ziehen durch den Raum
    und eine Spur von Sternenstaub ist Zeuge
    ihrer Doppelbahn, gemeinsam und zugleich
    jeder für sich.

    Und streben immer noch zu ihrem Schnittpunkt
    unendlich.


    towards the intersection

    Enveloped by your tender loins
    I lay, and in the crook of my arm rested
    your head:
    Two threads tightly entwined
    we did not see the heaven
    for the stars.

    Now pure and wide and bright it realms
    two bodies heavenly traverse the space
    a trace of stardust giving witness
    to their double trajectory, shared and
    at the same time solitary.

    And still they strive towards their intersection
    endlessly.
  • netting the world / weltenfang

    A silvery shoal of worlds
    we haul aboard on every trip
    a fine net made of concepts

    And yet something slips through
    free from the mesh of words:
    Presence precedes the spoken



    Ein Silberschwarm von Welten
    wir holen ihn ein auf jeder Fahrt
    im feinen Netz unsrer Begriffe

    Doch etwas schlüpft hindurch zuletzt
    bleibt frei vom Wortgewebe:
    Vor jedem Sagbaren ein Jetzt

  • im lichten maß

    Vielleicht, daß jetzt im Herbstgewand
    die Endlichkeit ins Leben tritt
    und Klarheit Einzug hält -
    im lichten Maß die Dinge
    und ihrem Leuchten zugewandt
    mein Sinn

  • Zukunftszauber

    Man trifft einander und erkennt
    am Andern, wie die Zeit verrennt;
    das Selbst richtet vom Ruhepol.
    - Wohl dem, der solches Urteil glaubt:

    Wer schreitend auf der Stelle geht
    dem hat's den Kompass umgedreht
    aufs Gestern, das den Zukunftszauber raubt.
    Wirfs über Bord - mag sein es taugt
    mitunter in der Lebensdrift,
    hilft meinetwegen Kurs zu halten. Aber rechne nicht

    auf den, der Du gewesen bist:
    Sei das, was wird und möglich ist.

  • Nutzen und Nachteil generativer Transformation

    Herr Chomsky hatte einen Freund
    um den heut' keine Krähe weint.
    Das wär uns eigentlich scheißegal
    hätte Herr Chomsky die Moral
    nicht wiederholt als harte Keule
    geschwungen; eine tiefe Beule
    hat nun seine Repu-tati-on.

    Ins Schmuddelige transformiert
    wurde, auch dies generativ
    prīncipium zu Altherrenmief.
    Was uns als Mitwelt sehr geniert.
    Conclusio - lerne davon:

    Es prüfe, wer zur Kanzel schreitet
    das eigne Kerbholz, es bereitet
    dem Menschen doch vielmehr Genuß
    wenn er sich selber zücht'gen muss!